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20.08.2025 - Kassel verfehlt weiterhin die dringend notwendigen klimapolitischen Ziele. Trotz einzelner ökologischer Ansätze zeigt die aktuelle Stadtplanung eine eklatante Diskrepanz zwischen ambitionierten Klimazielen und der Realität. Besonders deutlich wird dies an den Plänen, vier neue Parkhäuser zu errichten – ein Schritt, der den nachhaltigen Stadtumbau massiv blockiert. Statt Verkehrswende und Klimaschutz zu fördern, setzt die Stadt weiterhin auf den motorisierten Individualverkehr.
Die geplanten Parkhäuser: ein ökologisches Desaster
Uni-Gelände (Holländische Straße Ecke Mombachstraße)
Ein Parkhaus am Uni-Gelände bedeutet: noch mehr Autos in einer ohnehin stark belasteten Gegend. Luftqualität und Lebensqualität der Anwohner werden weiter sinken. Der Fokus muss stattdessen auf öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrradwegen liegen.
Henschel-Areal
Das Henschel-Areal könnte Vorzeigeprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung werden. Stattdessen soll ein Parkhaus gebaut werden, Die Flächen werden mit der Planung für umweltschädliche Industrie blockiert werden. Die stark belastete Wolfhagener Straße könnte durch alternative Mobilitätskonzepte entlastet werden – der Parkhausbau zerstört diese Chance. Sozialgerechter Wohnungsbau, Kultur- und Freiräume werden verhindert.
Erweiterung Nordhessen-Arena
Ein weiteres Parkhaus für Veranstaltungen verschärft den Autoverkehr in der Innenstadt. Dabei stünden Parkflächen bei den Messehallen sofort zur Verfügung. Notwendig sind Lösungen, die den Autoverkehr in der Tallage massiv reduzieren: Shuttle-Services, Carsharing und öffentliche Verkehrsmittel müssen Priorität haben.
Parkhaus Königstor Ecke Wilhelmshöher Allee
Der Neubau mit 208 Stellplätzen ersetzt das alte Parkhaus – dreimal mehr als bisher. Das Areal liegt an der Verlängerung der Fahrradstraße Königstor, direkt neben einer Grundschule. Statt sozialverträglicher, nachhaltiger Wohnungen entsteht ein weiterer Parkplatz. Diese Entscheidung widerspricht klar den Klimazielen und blockiert die Fahrradstraße.
Fazit: Rückfall in die 1960er-Jahre – autogerechte Stadtplanung statt Klimaschutz
„Stadtplanung hat erhebliche Lenkungswirkung. Hier in Kassel zeigt sich, dass sie dem Investorenzwang und Lobbyinteressen unterliegt. Freiräume für nachhaltige Wohnformen wie Bauwagenplätze oder experimentelles Wohnen werden nicht geschaffen, Parkhäuser stehen im Fokus. Das sind verpasste Chance, die Stadt zukunftsfähig und sozial gerecht zu gestalten.“ M. Faulhaber, Vorstand BUND Kassel
Die geplanten Parkhäuser sind ein direkter Widerspruch zu den Klimazielen Kassels. Was die Stadt jetzt braucht: Takterhöhungen im öffentlichen Nahverkehr, flächendeckende Radschnellwege an allen Hauptverkehrsstraßen ein kostenfreier Nahverkehr, der Pendler wirklich entlastet.
Kassel muss den ökologischen Stadtumbau ernst nehmen. Der politische Wille fehlt bislang. Die kommenden Kommunalwahlen werden zeigen, ob die Verantwortlichen bereit sind, die Verkehrswende endlich umzusetzen und die Stadt klimafreundlich, lebenswert und sozial gerecht zu gestalten.
Kontakt:
BUND Kreisverband Kassel
E-Mail: info@bund-kassel.de
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