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Pressemitteilung
Kassel, 18.12.25 – Der BUND Kreisverband Kassel übt deutliche Kritik an der Stadt Kassel: Die kommunale Wärmeplanung blende weiterhin den zentralen Baustein der Wärmewende aus – die geplante und sozial gerechte Stilllegung der Gasnetze. Während Städte wie Mannheim, Hannover, Basel oder Zürich längst konkrete Fahrpläne entwickeln, verharrt Kassel in einem überholten „Weiter so“.
„Kassel will 2030 klimaneutral sein, aber traut sich nicht, offen über den Ausstieg aus dem Gas zu sprechen. Diese Zurückhaltung ist nicht nur fachlich falsch, sondern gefährlich für die Bürgerinnen und Bürger“, sagt M. Faulhaber, Vorstand des BUND Kreisverbands Kassel.
Stadt Kassel riskiert steigende Kosten für alle Haushalte
Der BUND verweist auf klare Zahlen: In Kassel werden heute noch fast zwei Drittel der Gebäude mit Gas beheizt. Gleichzeitig bricht die Gasnachfrage in den kommenden Jahren rapide ein – durch höhere CO₂-Preise, den Umstieg auf Wärmepumpen und mehr Fernwärme. Sinkt die Kundenzahl, steigen die Netzentgelte für die verbleibenden Haushalte massiv an.
„Jede Verzögerung beim Gasausstieg bedeutet steigende Kosten für Menschen, die sich ohnehin keinen Heizungstausch leisten können. Die Stadt schaut tatenlos zu, wie die letzten Gasnutzer in eine Kostenfalle laufen“, so Faulhaber weiter.
Fehlende Weitsicht trotz klarer rechtlicher Vorgaben
Die Städtische Werke Netz + Service GmbH betreibt in Kassel rund 30.000 Gasanschlüsse und gilt damit als großer Netzbetreiber. Ab 2026 verpflichtet EU-Recht solche Unternehmen dazu, ihre Gasnetze auf Wirtschaftlichkeit zu prüfen und einen geordneten Rückzug zu planen. Doch statt diesen Prozess aktiv zu gestalten, verschließe die Stadt die Augen.
„Die Stadt Kassel hat alle notwendigen Informationen – aber sie zieht keine Konsequenzen daraus. Das ist energiepolitisch fahrlässig“, kritisiert Faulhaber.
BUND fordert: Gasausstieg endlich in den Wärmeplan integrieren
Der BUND fordert die Stadt Kassel auf, das Projektteam Wärmeplanung klar zu beauftragen, die schrittweise Stilllegung der Gasnetze in den Wärmeplan aufzunehmen – inklusive Zieljahren, Prioritätsgebieten und Ersatzangeboten wie Fernwärme oder Wärmepumpen.
Eine begleitende, ehrliche Informationskampagne sei dringend nötig, um Haushalte vor Fehlinvestitionen zu schützen. Der Einbau neuer Gasheizungen bedeute angesichts steigender CO₂- und Netzgebühren ein erhebliches finanzielles Risiko.
„Wer heute noch Gasheizungen empfiehlt, handelt wider besseres Wissen. Die Stadt muss aufhören, den Menschen einzureden, das Gasnetz habe eine lange Zukunft. Das ist schlicht falsch“, so Faulhaber.
Soziale Gerechtigkeit und lokales Handwerk stärken
Für den BUND ist klar: Ein geordneter Gasausstieg darf niemanden überfordern. Die Stadt müsse soziale Härten abfedern, Fördermöglichkeiten deutlich ausbauen und das lokale Handwerk gezielt beim Umstieg auf Wärmepumpen und Fernwärmeanschlüsse unterstützen.
BUND: „Kassel braucht Ehrlichkeit – nicht Beschwichtigung“
Zum Abschluss betont Faulhaber:
„Die Menschen brauchen Planungssicherheit. Kassel muss endlich ehrlich sagen, was kommt: Gas hat keine Zukunft. Je früher wir das gemeinsam anpacken, desto günstiger, sozialer und sicherer wird der Übergang. Die Stadt darf nicht länger schweigen.“