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Eissporthalle - BUND erstattet Anzeige wegen unzureichenden Baumschutzes

17. August 2026 | Klimawandel, Lebensräume, Nachhaltigkeit

Detail

Kassel, den 14.08.2026

Erweiterung Multifunktionsarena am Auestadion

Anzeige zur Umsetzung des Baumschutzes und Kritik an Vollzug und
Kontrolle

Sehr geehrte Damen und Herren,
1. Anzeige: Zweifel an der tatsächlichen Umsetzung des Baumschutzes
Bei einer Besichtigung der Baustelle am 12.08.2026 haben wir den Umgang mit dem
zu erhaltenden Baumbestand fotografisch dokumentiert. Die festgestellte Situation
gibt aus unserer Sicht erheblichen Anlass zu Zweifeln, ob die für das Bauvorhaben
festgelegten Baumschutzmaßnahmen im tatsächlichen Baustellenbetrieb konsequent
umgesetzt werden.
Vorgesehen ist insbesondere der Schutz des gesamten Wurzelbereichs durch einen
standfesten, 1,80 m hohen Bauzaun. Der zu schützende Wurzelbereich umfasst
dabei die Kronentraufe zuzüglich 1,50 m. Aufgrabungen im Wurzelbereich sind in
Handschachtung vorzunehmen; ergänzend sind die Anforderungen der DIN 18920
einzuhalten.
Die Situation am 12.08.2026 stellt sich teilweise deutlich anders dar. Auf den
beigefügten Fotos sind unter anderem Boden- und Materiallagerungen unmittelbar im
Umfeld von Bäumen, Baustellenbetrieb innerhalb der von Baumkronen überspannten
Bereiche sowie teilweise lediglich ein Stammschutz statt des vorgesehenen flächigen
Schutzes des Wurzelbereichs erkennbar.
Besonders kritisch erscheinen Bodenmieten und Baustellenbetrieb innerhalb bzw.
unmittelbar angrenzend an die Kronentraufen. Hier besteht die Gefahr von
Bodenverdichtungen, Bodenauftrag und Schädigungen des Wurzelraums. Die Bilder
vermitteln damit den Eindruck, dass der Schutz der Bäume im praktischen
Baustellenablauf gegenüber den Anforderungen der Bauausführung deutlich
zurücktritt.
Wir bitten daher um eine kurzfristige gemeinsame Ortskontrolle durch Bauaufsicht
und Untere Naturschutzbehörde. Insbesondere sollte geprüft werden, ob innerhalb
der zu schützenden Wurzelbereiche bereits Befahrungen, Lagerungen,
Bodenauftrag, Bodenabtrag oder maschinelle Erdarbeiten stattgefunden haben und
ob für etwaige Abweichungen eine behördliche Zustimmung vorliegt.

Bis zur abschließenden Klärung und praktischen Umsetzung des geforderten
Baumschutzes auf der Baustelle und Abstellung der systematischen realen
organisatorischen Mängel in der Baustellenausführung beantragen wir, diese
zu stoppen und weitere Bauarbeiten dort zu unterbinden.
Ein Nachhaltigkeitsversprechen in der Sprechblase von Instagram und Co. führt
leider nicht zur automatischen praktischen Umsetzung.
2. Grundsätzliche Kritik: Vollzug und Kontrolle des Baumschutzes sind zu schwach
Unabhängig von den am 12.08.2026 dokumentierten Einzelzuständen sehen wir ein
grundsätzliches Problem beim Vollzug des Baumschutzes. Die für das Vorhaben
festgelegten Anforderungen sind inhaltlich durchaus konkret. Ihre Wirksamkeit hängt
jedoch entscheidend davon ab, dass sie vor Ort kontrolliert und während der
gesamten Bauphase durchgesetzt werden.
Bei einem Bauvorhaben dieser Größenordnung mit umfangreichen Erd-, Gründungsund
Baustellenarbeiten sowie schwerem Baustellenverkehr reicht es aus unserer
Sicht nicht aus, die Einhaltung des Baumschutzes im Wesentlichen dem Bauherrn
und den von ihm eingesetzten Unternehmen zu überlassen. Gerade Schäden durch
Bodenverdichtung, Bodenauftrag, Abgrabungen oder Wurzelverletzungen können
zunächst kaum sichtbar sein und sich erst später auf Vitalität und Standsicherheit der
Bäume auswirken.
Auffällig ist, dass für andere Schutzbereiche des Vorhabens eine ausdrückliche
baubegleitende Überwachung, die Benennung verantwortlicher Sachverständiger
sowie die Vorlage von Überwachungs- und Konformitätsnachweisen vorgesehen
sind. Ein vergleichbar verbindliches Kontroll- und Dokumentationssystem für den
Baumschutz ist dagegen nicht erkennbar.
Aus naturschutzfachlicher Sicht wäre bei einem Vorhaben dieser Größenordnung
eine qualifizierte baumschutzfachliche Baubegleitung sachgerecht. Diese sollte die
Schutzbereiche vor Beginn kritischer Arbeiten kontrollieren, Eingriffe im Umfeld der
Bäume begleiten, Abweichungen und mögliche Schäden dokumentieren und die
Einhaltung der Schutzmaßnahmen während der weiteren Bauphase regelmäßig
überprüfen.
Die aktuelle Baustellensituation zeigt aus unserer Sicht, dass die bloße Festlegung
von Schutzmaßnahmen ohne wirksame Kontrolle nicht ausreicht. Wir bitten deshalb
um Mitteilung, wann der Baumschutz zuletzt vor Ort behördlich kontrolliert wurde,
welche Feststellungen dabei getroffen wurden und wie die Einhaltung der
Schutzmaßnahmen während der weiteren Bauphase sichergestellt werden soll.
Sollten bereits Eingriffe in Wurzelbereiche erfolgt sein, halten wir zusätzlich eine
kurzfristige fachliche Begutachtung der betroffenen Bäume und eine Dokumentation
möglicher Schäden für erforderlich.
Wir bitten um eine kurzfristige Eingangsbestätigung und um schriftliche Mitteilung
über das Ergebnis der Überprüfung.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
BUND Kreisverband Kassel

Verteiler: 

Untere Bauaufsicht
Untere Naturschutzbehörde 
Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung Kassel
Presse
 

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